Tansania: Trinkwasser für Tausende Menschen

Brunnen für die Dörfer, Wassertanks für die Schulen: In Tansania betreiben Coop und Remei nicht nur Bio-Baumwollanbau, sondern auch Entwicklungshilfe.

Eigentlich ist Emanuel Büchlin ein überlegter, zurückhaltender Mensch. Doch jetzt sitzt der Chef Einkauf Textilien bei Coop mit leuchtenden Augen in seinem Büro, redet mit Händen und Füssen und sagt: «Das vergesse ich nie mehr, diese Eindrücke begleiten mich für immer.» Was Büchlin so bewegt, ist sein Besuch bei den Bio-Baumwollbauern von Meatu südwestlich der Serengeti in Tansania. Da ist etwa die Frau, die alle im Dorf als Winifreda kennen. Sie erzählte dem Manager aus der Schweiz, wie das früher war: «Wir Frauen marschierten teilweise stundenlang zum Fluss, um Wasser zu holen, und trugen es dann auf dem Kopf zurück ins Dorf.»Wasser aus dem Fluss? Eine braune Brühe, die all die Krankheiten in sich birgt, die der Teufel erfunden hat: Bilharziose, Flussblindheit, Typhus...

Heute marschieren die Frauen auch. Aber nur zum Dorfbrunnen. Dort fliesst frisches und gesundes Wasser aus dem Hahn. «Für uns ist das ein unglaublicher Fortschritt», hat die Mutter von sieben Kindern Büchlin gesagt. «Nicht nur, dass wir keine Angst vor irgendwelchen Krankheiten mehr haben müssen. Aber dieWasserkrüge auf dem Kopf wiegen schwer, und die Zeit, die wir fürs Wasserholen brauchten,können wir nun im eigenen Garten nutzen oder für die Arbeit auf den Feldern.»

Seit bald 20 Jahren bauen in der Region Meatu über 2600 Familien Bio-Baumwolle an, die zu Coop-Naturaline-Kleidern und -Wäsche verarbeitet wird. In dieser Zeit hat sich viel verändert für die rund 26000 Menschen, die direkt oder indirekt im Bio-Baumwollanbau involviert sind. Früher, da hätten sie mit giftigen Chemikalien hantiert, die sie nicht wirklich kannten, erzählte Winifreda dem Coop-Mann. «Die Folgen waren permanentes Kopfweh, Übelkeit, Kranksein und irgendwie war uns alles andere als wohl dabei. Aber wir kannten ja nichts anderes.» Seit Bio sei vieles anders geworden. Die Menschen von Meatu leben nicht nur gesünder. Für ihre Bio-Baumwolle haben sie eine Abnahmegarantie und zudem einen Preis, der 15 Prozent über dem Weltmarktpreis liegt. Und etwas, das im Zuge der Klimaveränderung immer wichtiger wird: Die Bio-Baumwollfelder von Meatu müssen nicht bewässert werden. Womit wir wieder beim Wasser und den 47 Brunnen mit Pumpen sind, die seit 2007 teilweise mit Geldern aus dem Coop Fonds für Nachhaltigkeit und unter der Aufsicht der «bioRe»-Stiftung gebohrt wurden (siehe Box). «Die Trockenheit greift auch in Tansania immer weiterum sich, dementsprechend vorsichtig gehen die Menschen von Meatu mit dem kostbaren Nass um», berichtet Büchlin. Ein Brunnenmeister sorgt für die gerechteVerteilung und auch dafür, dass die Pumpenanlagen funktionstüchtig bleiben. 47 Brunnen - das tönt wie der berühmte Tropfen auf den heissen Stein. Aber an diesen Brunnen hängen je rund 150 Personen und das Projekt, das vor sieben Jahren begann, wird weitergeführt.

Betroffen ist Büchlin von einem weiteren Wasserproblem: «Die Kinder haben vielerorts einen unsäglich langen Schulweg und wenn sie jeweils ankommen, sind sie völlig ausgetrocknet und zu apathisch,umwirklich zulernen.» Darum sorgt die «bioRe»-Stiftung dafür, dass immer mehr Schulen mit Wassertanks ausgerüstet werden. «Erste Erfahrungen zeigen, dass die Eltern ihre Kinder viel eher zur Schule schicken, wenn sie wissen, dass diese nicht halb verdursten müssen.» Büchlin hat aus Tansania eine Fülle von Eindrücken, Bildern und vor allem folgenden Satz von Winifreda mitgebracht: «Für euch in Europa mag Bio-Baumwolle das Leben angenehmer machen. Uns macht sie ein anständiges Leben erst möglich.»

© 2012 Coopzeitung

>> Bericht als PDF (Artikel in Coopzeitung Nr.38/2012)

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